Im Nachrichtenmagazin “Der Spiegel” erschien letzte Woche unter dem Titel “Aufschwung Jesu” ein Artikel von Peter Wensierski über die deutschen Evangelikalen. Charismatiker, Baptisten, Presbyterianer usw., alle organisiert nach amerikanischem Vorbild, ekstatisch, macht- und geldhungrig, pietistisch (!?), bibeltreu (wortwörtlich). Naive Glaubenskrieger im Kulturkampf. Wenn man das als “Evangelikaler” so liest, könnte man sich kopfschüttelnd fragen, wie ein so subjektiv geschriebener Artikel in einem um Objektivität (scheinbar) bemühten Magazin erscheinen kann, oder man könnte den Artikel links liegen lassen, weil man weiß, dass diese einseitigen Halbwahrheiten nie triumphieren werden, zumindest wenn man eine gesunde Eschatologie hat. Es hat jedenfalls den Anschein, als ob Herr Wensierski gefunden hat, was er suchte. Aber wettern wir wirklich gegen Homosexuelle? Sympathisieren wir alle mit der amerikanischen Rechten bzw. G. W. Bush? Nein. Selbst die amerikanischen Christen tun das nicht alle.
Aber vielleicht sollten wir den Artikel doch nicht einfach zur Seite legen, sondern ihm mit Interesse studieren. Warum? Weil gerade die Fehler und Unstimmigkeiten uns zeigen können, dass und wie wir unsere zentrale Botschaft besser herausstellen sollten. Sonst stehen wir wirklich da wie Moralapostel aus einer anderen Zeit. Wir werden eben nicht “durch unser frommes Engagement wiedergeboren”, sondern aus Gnade durch den Glauben. Damit keiner sich rühme. Das ist die Botschaft vom Kreuz, die Herr Wensierski nicht erwähnt. Aber das macht uns erst “Christen”, das verbindet uns, und so sollten wir uns auch präsentieren.
“Und wer ist’s, der euch schaden könnte, wenn ihr dem Guten nacheifert? Und wenn ihr auch leidet um der Gerechtigkeit willen, so seid ihr doch selig. Fürchtet euch nicht vor ihrem Drohen und erschreckt nicht; heiligt aber den Herrn Christus in euren Herzen. Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist, und das mit Sanftmut und Gottesfurcht, und habt ein gutes Gewissen, damit die, die euch verleumden, zuschanden werden, wenn sie euren guten Wandel in Christus schmähen. Denn es ist besser, wenn es Gottes Wille ist, dass ihr um guter Taten willen leidet als um böser Taten willen. Denn auch Christus hat einmal für die Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten, damit er euch zu Gott führte, und ist getötet nach dem Fleisch, aber lebendig gemacht nach dem Geist.”
(1Petrus 3:13-18 LUT)
Spieglein, Spieglein an der Wand…
Mai 8, 2008 · Kommentar schreiben
Kategorien: Evangelium · Medien