Carpentarius’ Weblog

Zehn Gebote, eine Predigt

August 3, 2008 · Kommentar schreiben

Ich habe letzen Freitag in der Jugendstunde unserer Gemeinde eine Predigt zu den 10 Geboten gehalten, die ich hier veröffentliche. Ich weiss, dass es sich hier um ein kontroverses Thema handelt und bin für jeden Kommentar, jede Kritik und jede Anregung dankbar. -

“Und Gott redete alle diese Worte: Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht! Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, aber Barmherzigkeit erweist an vielen tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten. Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht. Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligest. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt. Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der Herr den Sabbattag und heiligte ihn. Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebest in dem Lande, das dir der Herr, dein Gott, geben wird. Du sollst nicht töten. Du sollst nicht ehebrechen. Du sollst nicht stehlen. Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat. Und alles Volk wurde Zeuge von dem Donner und Blitz und dem Ton der Posaune und dem Rauchen des Berges.” (2Mose 20:1-18a)¹
Entstehungsgeschichte:
Gott hatte dem Stammvater des Volkes Israel, Abraham, versprochen, dass er seine Nachkommenschaft zahlreich machen wird und sie zum Segen für alle Völker machen wird.
Abrahams einflussreicher Urenkelsohn Joseph holte später während einer Hungersnot seine ganze Großfamilie nach Ägypten. Und da lebten sie dann, gründeten Familien und vermehrten sich.
Nach einiger Zeit, Joseph und seine Verdienste um das Ägyptische Volk waren längst vergessen, wurde es dem Ägyptischen Pharao zu bunt mit den so genannten Hebräern, er bekam Angst vor ihrer Menge und versklavte sie.
In dieser Zeit wächst Moses heran, zuerst am königlichen Hof als Adoptivsohn. Nach einem unglücklichen Zwischenfall muss er fliehen und lebt lange Zeit als Schafhirte in der Wüste. Dort spricht Gott zu ihm und sendet ihn als Propheten zurück nach Ägypten, um die Hebräer, das Volk Israel, in die Freiheit zu führen. Nach einigen Unannehmlichkeiten lässt der Pharao das mittlerweile zahlreiche Volk ziehen, eine später eingeleitete Rückholaktion bleibt förmlich stecken. In dieser Zeit ist Gottes gütige, liebende und leitende Hand zu erkennen. Er hält Sein Wort, befreit Sein Volk und führt es in die Freiheit.
Am Berg Sinai gibt Gott dem Volk Israel dann die Zehn Gebote.
Die zehn Gebote sind Evangelium und Gesetz zugleich
Passend zu der Vorgeschichte geht den Geboten ein Satz voraus, der auch von uns von großer Bedeutung ist und uns anleitet, die Gebote zu verstehen. Gott sagt: “Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe.”
Gott hat Seinem Volk nicht die Gebote gegeben, damit sie Sein Volk sein können, sondern weil sie sein Volk sind. Gottes rettendes Handeln geht den Zehn Geboten voraus. Zuerst hat er sie gerettet, dann zeigt Er ihnen, wie sie leben sollen. So sind die Zehn Gebote nicht nur Gesetz, sondern auch Evangelium, nämlich die frohe Botschaft von der Freiheit, in die Gott uns durch Sein Handeln geführt hat.
Gott hat sein Volk damals durch Seinen Propheten Moses aus der Knechtschaft des bösen Ägyptens herausgeführt, und führt heute uns aus der Knechtschaft der Sünde durch den wahren und besseren Moses, nämlich Jesus Christus, der in Seiner Auferstehung den Tod besiegt hat.
Die Zehn Gebote spiegeln den moralischen Charakter Gottes wider.
Kein Mensch kann die Zehn Gebote völlig befolgen, sie alle in allen Punkten halten. Nur einer konnte das und hat es getan: Jesus Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Er hat während Seines ganzen Erdenlebens keines der Gebote gebrochen, sondern Er hat das ganze Gesetz erfüllt. Und diese Gerechtigkeit wird uns zugerechnet, wenn wir an Ihn glauben. Der Apostel Paulus schreibt in Römer 4,5:
“Dem aber, der nicht mit Werken umgeht, glaubt aber an den, der die Gottlosen gerecht macht, dem wird sein Glaube gerechnet zur Gerechtigkeit.” (Römer 4:5)
Der Apostel zeigt hier, dass wir uns nicht durch eigene Werke selbst retten können, sondern dass wir durch Glauben gerettet werden. Der Glaube macht uns gerecht. Wir selbst können nichts aus uns selbst heraus dazu beitragen, dass wir gerecht werden.
Der natürliche Mensch will dass nicht akzeptieren, er möchte gerne seine Rettung selbst in die Hand nehmen, macht sich und anderen Vorschriften, wie man denn jetzt selig werden könnte, und er möchte Gottes Segnungen herbei zwingen, aber er wird kläglich scheitern. Und selbst wenn er nach menschlichen Massstäben noch ganz gut dasteht, wird er doch an einem heiligen Gott scheitern. Weil er ein Knecht bzw. ein Sklave der Sünde ist.
Und wie hat Jesus uns aus der Knechtschaft der Sünde herausgeführt? Indem Er ohne Sünde gelebt hat und vollkommen gerecht war, und Sich für unsere Sünden dahingegeben hat, unsere Schuld auf Sich genommen hat. Seine Gerechtigkeit wird uns zugerechnet. “Christi Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schutz und Ehrenkleid.”
Wie dankbar macht uns das! Das Sühneopfer ist vollbracht! So wie die Israeliten das Passalamm opfern und Gottes Gericht durch das Blut des Passalammes abwenden mussten, hat sich Jesus als das wahre und bessere Passalamm, als das Lamm Gottes, für unsere Sünden geopfert. Er hat ein vollkommenes Opfer dargebracht. Und wie können wir unseren Dank wohl besser zeigen, als durch das Halten der Gebote Gottes? Das ist das Dankopfer, das Opfer von dem Paulus in Römer 12 spricht:
“Ich ermahne euch nun, liebe Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst.”(Römer 12:1)
Unsere Dankbarkeit und Wertschätzung Jesus Christus gegenüber drückt sich darin aus, dass wir so sein möchten wie Er. Er hat Gott gefallen, und deshalb ist es ein tiefes Bedürfnis in dem Herzen des Gläubigen, so zu sein wie Er. Wenn wir fragen: Was würde Jesus tun?, dann sollten wir das nicht in erster Linie aus Pflichtgefühl fragen, sondern aus Dankbarkeit, die von einem Verständnis des Evangeliums her kommt. Und die Antwort darauf finden wir in den Geboten Gottes: sie zeigen, was Jesus tat und tun würde.
Wie können wir jetzt diese Dankbarkeit ganz praktisch umsetzen? Was genau bedeuten die Gebote für unser Leben?
Das erste Gebot:
“Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir” (2Mose 20:2-3)
Gott hat uns errettet, und Er allein konnte das tun. Aber trotzdem verlassen wir uns oft auf andere Götter. Gott hat das größte Werk vollbracht, aber leider trauen wir Ihm die geringeren oft nicht zu. Wir verlassen uns lieber auf materielle Dinge, die uns Glück und Sicherheit bescheren sollen, oder wir verlassen uns auf uns selbst oder andere Menschen.
Alles in was wir unser Vertrauen setzen, alles woran unser Herz hängt, dass ist eigentlich unser Gott. Wem vertrauen wir? Wer ist unsere Zuflucht? Vielleicht haben wir alles, was wir brauchen, um ein normales Leben zu führen, und denken: “Mir geht´s gut: Ich hab´ was ich brauche und glaube an Gott, so dass ich vor dem Tod keine Angst haben muss.” Aber wie sieht es aus, wenn wir in Schwierigkeiten kommen? Ist dann Gott auch unsere ganze Hoffnung, das Er Seine Hand über alles hält und nichts geschieht, ohne dass Er es geschehen lässt, und dass Er unser Bestes im Sinn hat?
Das zweite Gebot:
“Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht! Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, aber Barmherzigkeit erweist an vielen tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.” (2Mose 20:4-6)
Es ist ein Kennzeichen von Religionen ausserhalb des Christentums, dass sie sich ihr eigenes Bild von Gott machen. Das mag ein geschnitztes oder gegossenes Bildnis sein, das angebetet wird, oder ein Bild das verehrt wird, was leider auch innerhalb des Christentums in der römischen Kirche beobachtet werden kann.
Es ist aber definitiv in allen Religionen ausserhalb des christlichen Glaubens so, das der Mensch sich sein eigenes Bild, seine eigene Vorstellung von Gott macht oder gemacht hat. Vielleicht aus Beobachtungen in der Natur heraus, oder aus einem Empfinden heraus, dass durch den Umgang mit anderen Menschen geformt wurde.
Davor warnt uns Gott hier. Wir können uns ihn nicht zurechtbasteln, so wie wir Ihn gerade brauchen, sondern wir müssen Ihn annehmen, wie Er sich uns offenbart. Und der Weg der Offenbarung, den Gott gewählt hat, ist die heilige Schrift.
Was für ein Vorrecht ist es, dass wir Gott kennen lernen dürfen! Deshalb ist es so wichtig, uns mit Seinem Wort, Seiner Offenbarung an uns, auseinanderzusetzen! Damit wir unseren großen Gott und himmlischen Vater besser kennenlernen! Gott zu kennen ist ein Segen, und wir ehren Ihn, wenn wir mehr über Ihn wissen wollen!
Das dritte Gebot:
“Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.” (2Mose 20:7)
Ein Name steht für eine Person, und das, was wir mit dieser Person verbinden. Wenn wir etwas im Namen einer bestimmten Person tun, dann tun wir es in ihrer Vollmacht. Gott warnt uns hier davor, uns auf Ihn zu berufen, um Druck auf andere auszuüben. Indem wir zum Beispiel behaupten, Er hätte uns beauftragt, dieses zu tun oder jenes zu sagen. Oder wenn wir Ihm vor anderen Eigenschaften zuschreiben, die er nicht hat. Wenn wir solches tun, beschmutzen wir Seinen heiligen Namen.
Auch sollten wir nicht bei Ihm falsch schwören, also bei Seinem Namen einen Meineid leisten, oder Ihn gar lästern.
Gott hat seinem Volk befohlen, Propheten, die behaupten in Seinem Namen zu reden, zu steinigen. Es ist eine sehr ernste Sache, sich am Namen Gottes zu vergreifen.
Das vierte Gebot:
“Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligest. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt. Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der Herr den Sabbattag und heiligte ihn.” (2Mose 20:8-11)
Gott sagt uns hier, dass wir sechs Tage arbeiten und einen Tag davon ruhen sollen. Zuerst ist festzuhalten, dass auch die Arbeit an sich gut und von Gott gewollt ist. Aber genauso ist es wichtig, dass wir uns eine bestimmte Zeit von dieser alltäglichen Arbeit fernhalten, um uns auf Gott zurückzubesinnen, der ja als Schöpfer uns die Schöpfung zum Bearbeiten zur Verfügung gestellt hat. In Ihm sollen und können wir ruhen.
Jesus bezeugt Maria, dass sie das richtige tut, als sie, anstatt sich mit anderen Dingen zu beschäftigen, lieber zu seinen Füßen sitzt und seine Stimme hört. Wir können Gott ehren und Ihm unsere Dankbarkeit und Wertschätzung zeigen, indem wir uns Zeit nehmen, uns mit Ihm zu beschäftigen, Ihn zu loben, zu Ihm zu beten, Sein Wort zu hören und die Gemeinschaft mit Glaubensgeschwistern zu pflegen.
Wenn Gott uns dazu auffordert, regelmäßig von unserer alltäglichen Arbeit abzusehen um uns auf Ihn zu besinnen, dann dürfen wir dass auch im Vertrauen auf Ihn tun und müssen uns keine Sorgen machen, das andere Dinge zu kurz kommen könnten.
Das fünfte Gebot
“Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebest in dem Lande, das dir der Herr, dein Gott, geben wird.” (2Mose 20:12)
Die Eltern sind die erste Autorität, die Gott über einen jeden Menschen gesetzt hat. Sie haben die Aufgabe, für ihre Kinder zu sorgen, damit sie heranwachsen können, und ihnen das Wort Gottes zu sagen.
Die Kinder werden von Gott dazu aufgefordert, den Eltern zu gehorchen, sie später, wenn sie selbst erwachsen sind, immer noch zu respektieren und ihre Ratschläge zu achten, und schließlich, wenn sie alt sind, für sie zu sorgen.
Die Autorität der Eltern wird in der Bibel nicht rein biologisch begründet, sondern ist an die Aufgabe der Eltern gebunden, die Gebote Gottes weiterzugeben.
Recht auf Widerstand haben die Kinder nur, wenn die Eltern mit ihren Forderungen den Geboten Gottes zuwiderhandeln. In diesem konkreten Fall können sich die Kinder der spezifischen Anordnung widersetzen, denn man soll Gott mehr gehorchen als den Menschen.

Das waren die ersten fünf Gebote, die unser Verhältnis zu Gott regeln. Die nächsten fünf regeln unser Verhalten gegenüber unseren Mitmenschen.
“Du sollst nicht töten”, worunter man den absichtlichen Mord bzw. Totschlag eines Menschen verstehen muss. Wir als individuelle Person haben nicht das Recht, über menschliches Leben zu verfügen, auch nicht, ungeborenes Leben abzutreiben.
“Du sollst nicht ehebrechen.” Die Ehe ist eine heilige Institution, die Gott geschaffen hat, um einen vertrauensvollen Umgang zweier Menschen möglich zu machen, und Kindern ein sicheres Zuhause zu geben, wo sich ihr Charakter festigt und sie Gottes Gebote und Ordnungen, und auch das Evangelium, kennen lernen.
“Du sollst nicht stehlen.” Diebstahl ist das unrechtmäßige Entwenden bzw. Aneignen von fremdem Eigentum. Was dabei nicht zählt, ist, ob es dem anderen nach meiner Meinung schadet oder nicht, sondern das jeder Mensch Recht auf sein Eigentum hat, sozusagen ein Bestimmungsrecht.
Ich definiere das deshalb so genau, weil der Diebstahl von so genanntem geistlichen Eigentum heute auch unter Christen offensichtlich kein Tabu mehr ist. Aber wer z.B. Musik oder Programme aus dem Internet unbefugt herunterläd und sie verwendet, begeht Diebstahl und lehnt sich gegen das von Gott gegebene Gebot auf.
Auf der anderen Seite sollte gerade dieses Gebot zu befolgen in einem Land, wo man alles Nötige hat, kein Problem sein.
“Du sollst nicht falsches Zeugnis reden wider deinen Nächsten.” Gott gebietet den Menschen auch gerechtes Richten, und dazu gehört, dass man unbedingt die Wahrheit vor Gericht sagen muss, damit nicht unschuldige Menschen verurteilt werden. Aber darüber hinaus geht es hier natürlich auch darum, dass wir auch im normalen gesellschaftlichen Leben den Ruf des anderen nicht schädigen.
“Du sollst nicht begehren” ist letztendlich das Gebot, welches direkt das Herz anspricht, denn aus dem Begehren, aus dem Neid und der Habsucht, erwächst jedes Übel, dass das menschliche Zusammenleben schädigt.
Jesus Christus selbst fasst diese Gebote Gottes so zusammen:
“»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst«.” (Lukas 10:27), womit er selbst wieder zwei Stellen aus dem Alten Testament zitiert.
Überhaupt hat Jesus das Gesetz in der Bergpredigt unterstrichen und auch gesagt, dass das Gesetz Gottes bleiben wird bis Himmel und Erde vergehen.

Welche Bedeutung hat das Gesetz jetzt im Leben eines Christen?
In Hebräer 10 erklärt der Heilige Geist die Prophezeiung des Propheten Jeremia für erfüllt, durch den Gott im Kapitel 31 sagt:
“Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein. Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den Herrn«, sondern sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der Herr; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.” (Jeremia 31:33-34)
Der Christ hat also ein Bedürfnis, Gottes Gebot zu erfüllen. Er weiss, dass es gerecht und gut ist und erfreut sich daran. Man kann also sagen, dass die Freude am Gesetz ein Merkmal eines wiedergeborenen Christen ist.
Obwohl wir nicht durch das Gesetz gerechtfertigt sind, sind wir doch nicht Gesetzlose.
Es ist wahr, dass Gesetz uns verdammt, weil keiner von uns es einhalten kann. Deshalb treibt es uns zu Christus. Aber das Wunderbare an der Sache ist, dass der Glaube an Ihn und die Vergebung, die wir in Ihm haben, uns dazu bringt, dass wir Sein Gebot gerne halten. Und wenn wir doch mal versagen sollten, vergibt Er uns unsere Sünden.
Das christliche Leben sieht oft so aus: Stellt Euch ein Segelboot vor, dass perfekt ausgerüstet ist. Die neusten technischen Hilfsmittel stehen zur Verfügung. Besser geht es nicht mehr. Und Du setzt Dich jetzt in das Segelboot und verlässt den Hafen. Alle Segel sind gesetzt und Du bist guter Dinge.
Doch plötzlich flaut der Wind ab und Du bleibst liegen. Und dann hörst Du über Funk, das eine Sturmböe über das Meer herankommt. Die anderen Kapitäne geben Dir über Funk Anweisungen, was jetzt zu tun ist. Aber das hilft nichts. Du weisst, was Du tun musst, und wohin Du segeln musst, aber wenn Du keinen Wind in die Segeln bekommst und in den sicheren Hafen fahren kannst, wird dich die Sturmböe erwischen.
Unser Leben ist oft genauso. Wir verlassen den Hafen mit Begeisterung, weil wir wissen, dass unsere Sünden vergeben sind und zwischen uns und Gott alles in Ordnung ist. Eine neue Liebe für unseren Erlöser füllt uns mit Dankbarkeit, und wir können gar nicht warten, dem Kurs zu folgen den er in Seinem Wort festgesetzt hat.
Aber wenn wir auf die offene See gelangen, kommen wir mit geistlichen Anfechtungen in Berührung. Gottes Gesetz hat uns die Richtung vorgegeben, aber es versorgt uns nicht mit Kraft.
Eine ganze Reihe geistlicher Hilfsmittel stehen uns zur Verfügung. Wir denken vielleicht, wenn wir dieses Buch lesen, oder zu jener Konferenz gehen, oder diesen bestimmten Plan zum geistlichen Sieg haben und jene Schritte befolgen, um die Sünde in unserem Leben zu überwinden, dann könnten wir unser Schiff wieder auf den richtigen Weg bringen.
Aber dabei handelt es sich weder um Gesetz, noch um Evangelium, sondern es sind einfach nur Tips von anderen Seglern. Und wenn überhaupt, dann sind sie vielmehr noch eher zusätzliche Gesetze, als eine gute Botschaft. Denn es geht dabei ja meisten darum, bestimmte Dinge zu tun, um Erfolg zu haben. Und wie oft lesen oder hören wir solche Dinge und denken: “Ja, das ist gut, aber ich kann nicht!”.
Und wenn wir dann völlig erschöpft sind, dann geben wir entweder auf und nehmen uns vor, nie wieder zu segeln, oder wir erkennen, dass wir einfach neuen Wind in den Segen brauchen.
Und dieser Wind, diese Kraft, kommt aus dem Evangelium. Diese Kraft heißt Jesus Christus. Immer wieder müssen wir hören, wer Gott ist und was er getan hat, uns zu erretten. Wir müssen erinnert werden an die neue Welt, die auf uns wartet, wegen Seiner Treue gegenüber untreuen Seglern.² Deshalb ist es so wichtig, dass wir in die Gemeinde gehen, um das Evangelium zu hören und das Abendmahl zu empfangen.
Die Gewissheit im Evangelium und das Vertrauen auf Gottes Verheissungen gibt uns Kraft. Die Freude am Herrn ist unsere Stärke.
Unser Leben ist ein auf und ab. Das Evangelium gibt uns Kraft, wir legen los, wir kommen in Schwierigkeiten und sind erschöpft, das treibt uns wieder zurück in die Arme unseres Erlösers, der uns Kraft gibt, usw.
Auch ein Mann wie der Apostel Paulus musste das erfahren, und seine Briefe zeugen davon. In Römer 7 beschreibt er zum Beispiel seinen eigenen Zustand und ruft zum Schluss aus: “Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem todverfallenen Leibe? Dank sei Gott durch Jesus Christus, unsern Herrn!” (Römer 7:24-25)
Aber am Anfang, in der Mitte, und am Ende ist das Evangelium eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben!

¹ Alle Bibeltexte nach der revidierten Lutherbibel von 1984, Deutsche Bibelgesellschaft

² Gleichnis vom Boot: Horton, Michael God of Promise, Baker Books, Gran Rapids 2007

Kategorien: Andacht · Ethik · Evangelium

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