Carpentarius’ Weblog

Wort und Tat

November 30, 2008 · 3 Kommentare

“Predige das Evangelium zu jeder Zeit; wenn nötig, gebrauche Worte” soll Franz von Assisi gesagt haben. Heute hört man dieses Zitat in christlichen Kreisen oft. Wir sollen Menschen mit einem authentischen Lebenswandel von unserem Glauben überzeugen; unseren Worten nicht nur Taten folgen, sondern auch vorausgehen lassen.
Der Apostel Paulus schreibt den Christen in Rom: “So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi.” (Röm. 10,17; Luther ´84) Gott, der den Menschen aus Gnade, durch den Glauben, rettet, hat sich die Predigt, die Verkündigung des Evangeliums, zu der Ordnung gewählt, durch die Er wirkt. Da Er es aber ist, der erwählt und Glauben weckt, ist der Charakter und die Integrität, ja sogar die Absicht des Predigers, von untergeordneter Bedeutung. Deshalb konnte Paulus aus der Gefangenschaft an die Philipper schreiben: “Einige zwar predigen Christus aus Neid und Streitsucht, einige aber auch in guter Absicht: diese aus Liebe, denn sie wissen, dass ich zur Verteidigung des Evangeliums hier liege; jene aber verkündigen Christus aus Eigennutz und nicht lauter, denn sie möchten mir Trübsal bereiten in meiner Gefangenschaft. Was tut’s aber? Wenn nur Christus verkündigt wird auf jede Weise, es geschehe zum Vorwand oder in Wahrheit, so freue ich mich darüber.” (Philipper 1,15-18) Jedes Mal, wenn ich diese Stelle lese, muss ich schmunzeln. Da sitzt der Apostel der Heiden im Gefängnis, gebunden, nicht in der Lage das Evangelium in der Öffentlichkeit zu verkündigen und die Gemeinden zu besuchen und muss ansehen, wie einige Evangelisten sich falsch verhalten, wir würde vielleicht sogar sagen: Schaden anrichten, aber Paulus, anstatt sich zu ärgern und zu grollen, freut sich darüber, dass sie trotzdem das Evangelium predigen. Aber es macht mich auch nachdenklich. Denn so wichtig es ist, nach Gottes Geboten zu leben (1Petrus 2,15), scheint doch die Botschaft der Christen wichtiger zu sein. Und vielleicht sollten wir auch nach diesem Prinzip die Aktivitäten verschiedener christlicher Gemeinden beurteilen, denn die Botschaft des Evangeliums ist “eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben” (Römer 1,16). So werden Menschen wiedergeboren ,“nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, nämlich aus dem lebendigen Wort Gottes, das da bleibt.” (1Petrus 1,23)

Kategorien: Ethik · Evangelium

3 Antworten bis hierher ↓

  • notoutofreach // November 30, 2008 um 11:01 | Antworten

    Vielleicht ist aber auch schon die Aufteilung in Reden und Handeln nicht biblisch und damit auch die Spannung zwischen den beiden künstlich. „Jedes Wort ist eine Tat.“ (Thielicke) Ein vollständiges christliches Bekenntnis setzt sich aus verbalen und nonverbalen Botschaften gleichermaßen zusammen. Aber es sind ja auch nicht alle Prediger… Habe heute darüber nachgedacht, dass – genauso wie es in einer Gemeinde ‘Hände’ und ‘Münder’ gibt, auch die weltweite Gemeinde Jesu sich aus unterschiedlich begabten und beauftragten Gemeinden zusammensetzt. Vielleicht sollen sich ja manche Gemeinden auf Evangelisation, andere auf theologische Unterweisung und andere wieder auf soziale, diakonische Dienste konzentrieren…? Dann könnten wir auch aufhören, einander zu verurteilen. Anyways, ich geh schlafen…

    • carpentarius // Dezember 11, 2008 um 12:10 | Antworten

      Nein, es sind sicherlich nicht alle Prediger, aber ich nehme an, dass gerade die christliche Lehre, die ja in „theologischen Unterweisungen“ weitergegeben wird, zentrales Kennzeichen einer christlichen (Orts-) Gemeinde sind. Diakonische Dienste wurden in der Apostelgesschichte interessanterweise deshalb eingeführt, damit sich die Apostel auf die Lehre und das Gebet konzentrieren konnten. Daraus würde ich zwar schließen, dass beides wichtig ist, aber auch, dass das Evangelium Priorität hat. In meinem Artikel ging es mir ja nicht darum, diejenigen zu verteidigen, die nicht ihrer Predigt gemäß leben, sondern es ging mir darum, das wir die Richtigkeit und den Inhalt ihrer Predigt nicht aufgrund ihrer Werke be- und verurteilen sollten. Deshalb ist es immer noch ein Grund zur Freude, wenn eine Gemeinde das Evangelium verkündigt, auch wenn andere Dinge vielleicht im Argen liegen. Darauf kann man ja immer noch liebevoll reagieren. Zuerst die Predigt, dann die Tat. Zuerst Gott, dann der Mensch.

  • apologet » “Ganzheitliche Mission” // August 17, 2009 um 2:23 | Antworten

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